Kriegsdienst Verweigerung in Deutschland (KDV)

Verweigere Dich!

1) Kurz erklärt: Was ist KDV?


 KDV bedeutet: Du erklärst, dass du aus Gewissensgründen keinen Kriegsdienst mit der Waffe leisten
     kannst. Das ist in Deutschland ein Grundrecht.

     Wichtig: Es geht dabei nicht um „einfach keine Lust“, sondern um eine persönliche
     Gewissensentscheidung gegen bewaffneten Dienst.

2) Für wen ist das relevant?


     Für dich ist KDV besonders relevant, wenn du…

  • Post bekommst zur Erfassung/Wehrerfassung,
  • zu Terminen eingeladen wirst (z. B. Musterung/Eignungsfeststellung),
  • oder allgemein klären willst: „Was mache ich, wenn ich eingezogen werden könnte?“

     Anmerkung: Auch Menschen, die bereits in der Bundeswehr tätig sind (z. B. Soldat*innen
     Reservist*innen), haben grundsätzlich ein Recht auf KDV – das hat aber oft Besonderheiten und sollte
     individuell besprochen werden.

3) Wie oft wird anerkannt? 

  • 2023: ca. 87 % anerkannt
  • 2024: ca. 75 % anerkannt (hier gab es zusätzlich viele formale Entscheidungen „unzulässig“)

Das heißt: Viele Anträge werden anerkannt – und ein Teil scheitert eher an Formalia oder 
daran, dass die Begründung nicht klar genug ist.
 

So stellst du einen KDV-Antrag

  Schritt 1: Das Anschreiben

Das Anschreiben braucht folgende Hinweise:

  • Erklärung der Kriegsdienstverweigerung gemäß Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz aus Gewissensgründen
  • Diese Entscheidung beruht auf einer ernsthaften, dauerhaften und persönlich verantworteten Gewissensüberzeugung.
  • Sie ist für mich verbindlich und auf Dauer angelegt.
  • Meine Entscheidung gilt unabhängig von späteren Änderungen der wehrrechtlichen Rahmenbedingungen fort.
  • Diese Erklärung erfolgt vorsorglich und unabhängig davon, ob aktuell im Einzelfall eine Einberufung bevorsteht oder eine Wehrpflicht besteht.
  • Bitte um Kurze schriftliche Bestätigung, dass die Erklärung eingegangen ist, erfasst wurde und im zuständigen Verfahren bearbeitet wird

Beispiel eines Musteranschreibens

Schritt 2: Der Lebenslauf

Der Lebenslauf ist tabellarisch abzugeben und muss lückenlos sein. Also auch bitte Chillzeiten als „Reisezeit“ oder „Erholungszeiten“ oder „Jobben“ reinschreiben.

Schritt 3: Die Begründung

Die Begründung ist der wichtigste Teil. Sie muss zeigen:

  • Es ist deine persönliche Gewissensentscheidung.
  • Du kannst es nicht mit deinem Gewissen vereinbaren, mit der Waffe zu dienen.
  • Dein Weg dahin ist nachvollziehbar (Entwicklung, Werte, Beispiele).

      1) Deine klare Grenze
           „Ich kann nicht verantworten, einen Menschen mit einer Waffe zu verletzen oder zu töten – auch nicht auf
           Befehl.“

      2) Was „Gewissen“ für dich konkret bedeutet
          Welche Werte sind nicht verhandelbar? (z. B. Schutz des Lebens, Gewaltfreiheit, Menschenwürde)

      3) Wie diese Entscheidung entstanden ist
           Gab es Erlebnisse, Gespräche, Prägungen, Engagement, Religion/Weltanschauung, Familiengeschichte oder
           einen Wendepunkt?

      4) Wie sich das in deinem Handeln zeigt
           Beispiele helfen: Konfliktlösung ohne Gewalt, Zivilcourage, Ehrenamt, Haltung in Alltag, Schule oder Arbeit.

      5) Warum du dabei bleibst – auch unter Druck
           Warum diese Grenze auch dann gilt, wenn Hierarchie, Stress oder Gruppendruck dazukommen.

    Was reicht allein meistens nicht aus?

     Diese Punkte können vorkommen, tragen aber allein selten die Gewissensentscheidung:

  • nur Angst vor Gefahr/Verletzung
  • nur „ich will nicht weg von Zuhause“
  • nur politische Ablehnung eines konkreten Krieges
  • nur Studien-/Karriereplanung

    Wenn solche Dinge bei dir eine Rolle spielen, formuliere sie so, dass klar bleibt: Der Kern ist deine  
    Gewissensentscheidung gegen bewaffneten Dienst.


 

 

Hinweis für alle die ChatGPT & Co. nutzen möchten

Viele nutzen KI zum Schreiben. Das ist verständlich – aber bei der KDV-Begründung kann Copy & Paste nach hinten losgehen. Entscheidend ist nicht „schön formuliert“, sondern dass dein Text wirklich deine persönliche Gewissensentscheidung erklärt.

Diese Seite zeigt dir, wie du KI sicher, ehrlich und sinnvoll als Schreibhilfe nutzt – ohne dir selbst zu schaden.

1) Warum „Copy & Paste“ riskant ist

Wenn du einfach einen fertigen KI-Text übernimmst, passieren häufig diese Probleme:

  • Der Text klingt allgemein („Krieg ist schlimm…“) und sagt wenig über dich aus.
  • Er enthält Standardfloskeln, die bei vielen gleich sind.
  • Er wirkt zu glatt oder passt nicht zu deinem Sprachstil.
  • Es entstehen Widersprüche (z. B. „nie Gewalt“, aber „im Notfall doch“).
  • Oder es rutschen Dinge rein, die nicht stimmen (erfundene Erlebnisse/Engagement).

Das kann dazu führen, dass Rückfragen kommen oder die Begründung als nicht überzeugend angesehen wird. Bei KDV zählt: persönlich, nachvollziehbar, in eigenen Worten.

2) Was du mit KI machen darfst 

KI ist am besten für:
Struktur & Aufbau (Gliederung, roter Faden)
sprachliches Aufräumen (kürzen, verständlicher machen, Rechtschreibung)
Fragen stellen, die dir beim Nachdenken helfen
Feedback: „Ist das logisch? Gibt es Widersprüche?“

KI ist nicht sinnvoll für:
❌ „Schreib mir eine perfekte Begründung, die jeden überzeugt“
❌ Texte „generieren lassen und 1:1 einreichen“
❌ Dinge „aufhübschen“, die du nicht erlebt hast

3) Die goldene Regel: Inhalt kommt von dir, Form darf KI helfen

Dein Antrag hat die besten Chancen, wenn klar wird:

  • Warum du keinen Dienst mit der Waffe leisten kannst
  • Wie diese Gewissensentscheidung bei dir entstanden ist
  • Warum sie auch unter Druck/Befehl gilt
  • Woran man sie in deinem Leben erkennen kann (Beispiele)

Das musst du selbst liefern – KI kann es nur sortieren und verständlich formulieren.

4) So nutzt du KI richtig: Schritt-für-Schritt

Schritt 1: Schreib erst Stichpunkte – ohne KI

Beantworte ehrlich (kurz reicht):

  1. Meine klare Grenze: Was kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren?
  2. Entwicklung: Wie bin ich zu dieser Haltung gekommen?
  3. Schlüsselmomente: Was hat mich geprägt? (Erlebnisse, Gespräche, Familie, Schule, Ehrenamt …)
  4. Beispiele: Wo habe ich in meinem Leben bewusst „ohne Gewalt“ gehandelt?
  5. Konsequenz: Warum gilt das auch unter Stress, Hierarchie und Gruppendruck?

Schritt 2: Lass KI daraus eine Gliederung machen

Zum Beispiel: Einleitung – Entwicklung – Werte – Beispiele – Konsequenz – Schluss.

Schritt 3: Formulieren lassen – aber nur mit deinen Punkten

Du gibst KI deine Stichpunkte und sagst:
„Formuliere daraus einen Text in einfacher Sprache, 1–1,5 Seiten, ohne Floskeln. Verwende nur die Fakten aus meinen Stichpunkten.“

Schritt 4: Danach kommt der wichtigste Teil: „Mach es zu deinem Text“

  • Lies es laut. Klingt das nach dir?
  • Streiche alles, was du so nie sagen würdest.
  • Ergänze 2–3 Sätze, die nur du so schreiben würdest.
  • Achte auf logische Linie: Waffendienst ist für mich grundsätzlich nicht vereinbar.

5) Checkliste: Woran du erkennst, dass dein Text „zu KI-mäßig“ ist

Wenn mehrere Punkte zutreffen: unbedingt überarbeiten.

  • Viele große Wörter, wenig konkrete Inhalte
  • Kein einziger konkreter Moment aus deinem Leben
  • Sehr allgemeine Sätze, die bei jedem passen könnten
  • „Perfekt“ klingende Moral, aber ohne Beispiele
  • Wiederholungen oder unklare Begründung
  • Aussagen, die du nicht sicher erklären könntest, wenn jemand nachfragt

6) Was du auf keinen Fall machen solltest

  • Keine erfundenen Geschichten (das fällt oft spätestens bei Rückfragen auf).
  • Keine „Internet-Vorlage“ 1:1 übernehmen.
  • Keine „zweite KDV-Erklärung“ spontan bei Terminen unterschreiben oder nachreichen, nur weil jemand es sagt.
  • Keine Unterschrift unter etwas setzen, das wie „Freiwilligkeit“ oder „Dienstbereitschaft“ klingt, ohne es zu prüfen.

7) Ein guter KI-Prompt 

Du kannst z. B. so arbeiten:

Prompt-Beispiel:
„Ich schreibe eine KDV-Begründung. Hier sind meine Stichpunkte (nur diese verwenden, nichts erfinden). Formuliere daraus einen Text in einfacher Sprache (ca. 4.000–6.000 Zeichen), der klar macht: (1) meine Gewissensentscheidung gegen bewaffneten Dienst, (2) wie sie entstanden ist, (3) warum sie auch unter Druck gilt. Bitte ohne Floskeln und ohne Übertreibungen.“

8) Überprüfe bei Einsatz von KI deinen Text ob er als KI Text erkannt wird

Bevor du das Schreiben versendest, überprüfe ob eine KI Detector es als KI generiert erkennt. Die Quote sollte keinesfalls über 50% KI generiert erkannt werden.

Du kannst u.a. folgende KI Checkertools nutzen:

https://copyleaks.com/ai-content-detector?utm_source=chatgpt.com

https://gptzero.me/?utm_source=chatgpt.com

9) Wenn du dir unsicher bist: Beratung hilft!

Gerade wenn du:

  • Post/Termine hast,
  • Angst vor falschen Formulierungen hast,
  • oder nach einer Ablehnung reagieren musst,

kann ein kurzer Beratungscheck helfen, damit dein Antrag vollständig ist und deine Begründung wirklich trägt.


 

 

Schritt 4: Antrag an die richtige Stelle schicken


Die neuere BAFzA-Infoseite zur KDV (mit Stand/Änderungen zum 01.01.2026 durch das Wehrdienstmodernisierungsgesetz) stellt ausdrücklich klar, der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung ist einzureichen beim: 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw)   
 – Wehrersatzbehörde –
 Militärringstraße 1000, 
 50737 Köln
 
Tipp: Kopien von allem machen und möglichst so verschicken, dass du einen Nachweis hast also z.B. als Einwurfeinschreiben.

   Diese 3 Teile müssen in dem Brief enthalten sein:

  1. Anschreiben / Antrag ( unterschrieben)
  2. Tabellarischer Lebenslauf (lückenlos, unterschrieben)
  3. Deine persönliche Begründung (Herzstück des Antrags, unterschrieben)

4) Was passiert nach dem Abschicken des Antrags?

     Typisch ist folgender Ablauf:

  • Dein Antrag wird registriert und formal geprüft.
  • Häufig folgt die Musterung/Eignungsfeststellung (siehe oben).
  • Dann wird dein Antrag zur Entscheidung weitergeleitet.
  • Du bekommst einen Bescheid per Post.

    Wichtig: Auch wenn du schon beantragt hast: Einladungen/Termine nicht ignorieren. Wenn du nicht
    kannst, rechtzeitig reagieren und um Verlegung bitten.

5. Musterung/Eignungsfeststellung

Musterung/Eignungsfeststellung: warum das oft der nächste Schritt ist! 

In der aktuellen Praxis wird die Eignungsfeststellung („Musterung“) in vielen Fällen vorangestellt, bevor über die Anerkennung entschieden wird. Deshalb lautet unser praktischer Rat: Termin wahrnehmen und kooperativ mitmachen, damit dein Verfahren nicht unnötig stockt. 

Wichtig vorab: Keine KDV-Unterlagen zur Musterung mitnehmen

Auch wenn es naheliegend wirkt: Bring deine KDV-Begründung oder weitere KDV-Schreiben nicht zum Musterungstermin mit und gib dort keine „zweite“ schriftliche KDV-Erklärung ab.

Warum? Deine KDV-Erklärung hast du mit deinem Antrag bereits wirksam abgegeben. Die Musterung ist nicht der Ort, an dem über deine KDV inhaltlich entschieden wird – sie dient vor allem der Feststellung der Tauglichkeit.

    Typischerweise umfasst sie:

  • Medizinische Untersuchung (Einordnung der Tauglichkeit)
  • Fragen zu dir (z. B. Ausbildung, beruflicher Stand, allgemeine Angaben)

    Achtung bei Formularen & Unterschriften (hier passieren die typischen Fehler)

   Bei der Musterung oder schon vorher können dir Unterlagen vorgelegt werden, die nach „Freiwilligkeit“ oder
   „Interesse“ am Dienst klingen. Das ist nicht automatisch „böse“, aber du solltest es sauber und eindeutig
   handhaben.

   (a) Fragebogen vorab (häufig vor dem Termin)

        Darin stehen oft Fragen zu Gesundheit, Ausbildung und teilweise auch zu Dienstbereitschaft/Interessen (z. B.
        freiwilliger Wehrdienst, gewünschte Laufbahn).

        Praktische Strategie:
        Antworte ehrlich – und wenn es um Dienstbereitschaft/Laufbahn geht, mach klar:
        „Ich habe am [Datum] meine Erklärung zur Kriegsdienstverweigerung abgegeben.“

   (b) Protokoll/Unterlagen vor Ort (Checkboxen, „Bereitschaft“-Angaben)

        Vor Ort wird häufig etwas dokumentiert oder unterschrieben. Kritisch sind Passagen, die wie eine freiwillige
        Verpflichtung oder Zustimmung wirken könnten.

        Praktische Strategie:
        Vor der Unterschrift alles lesen. Wenn du unsicher bist oder eine „Freiwillig“-Aussage drinsteht, kannst du
        handschriftlich ergänzen:
        „Unterschrift erfolgt unter Vorbehalt meiner Erklärung der Kriegsdienstverweigerung vom
        [Datum].“

  (c) Tauglichkeits-/Musterungsbescheid (kommt oft später per Post)

       Nach der Musterung erhältst du in der Regel einen Bescheid. Den gut aufheben. In der Praxis ist er häufig ein
       wichtiger Baustein, damit die KDV-Prüfung weiterläuft.

   Kurzregeln für den Termin

  1. Höflich und sachlich bleiben
  2. Bei Fragen zur Dienstbereitschaft kannst du ruhig sagen:
    „Ich bin Kriegsdienstverweigerer – Erklärung vom [Datum].“
  3. Keine neuen KDV-Schreiben beim Termin abgeben
  4. Unterschriften nur nach Prüfung – ggf. Vorbehalt notieren
  5. Danach: Bescheid abwarten und Unterlagen vollständig halten

 

 

6) Der Bescheid und seine Bedeutung für Dich!

   ✅ Anerkennung
Herzliche Gratulation du hast es geschafft du bist nun anerkannter Kriegsdienstverweigerer.

   ❌ Ablehnung oder „unzulässig“
Du hast es leider noch nicht geschafft - es bedeutet nicht automatisch „Ende“ – aber du musst nun schnell und strukturiert reagieren.

    Schritt 1: Frist sichern

  • Zustelldatum notieren
  • Rechtsbehelfsbelehrung lesen: Dort steht die Frist und wohin du schreiben musst.
  • Häufig gilt 1 Monat, in besonderen Lagen kann es kürzer sein – maßgeblich ist dein Bescheid.

   Schritt 2: Widerspruch einlegen

   Du kannst grundsätzlich Widerspruch einlegen.
   Wichtig: rechtzeitig eingehen lassen, Aktenzeichen angeben, Frist retten.

   Schritt 3: Inhaltlich oder formal nachbessern

  • Bei inhaltlicher Ablehnung: Ablehnungsgründe beantworten, Missverständnisse auflösen, Begründung klarer machen.
  • Bei Unzulässigkeit: Formfehler beheben (z. B. fehlende Unterschrift/Unterlagen).

  Schritt 4: Wenn der Widerspruch abgelehnt wird

  Dann ist der nächste Schritt typischerweise die Klage beim Verwaltungsgericht – Frist steht wieder im
  Bescheid.


 

 

      Ja – sinnvoll ist das vor allem bei neuen Gründen.
      Ein neuer Antrag („Zweitantrag“) macht besonders dann Sinn, wenn sich deine Gewissensentscheidung
      nachweisbar weiterentwickelt hat oder neue Tatsachen/Belege dazukommen.

      Wichtig: Ein neuer Antrag ersetzt nicht automatisch Widerspruch/Klage. Fristen aus dem Bescheid sind
      entscheidend.


 

 

Persönliche Beratung

Du kannst das Verfahren selbst machen – oder dir Unterstützung holen. Wir helfen dir dabei, dass alles vollständig, verständlich und in deinen eigenen Worten ist:

  • Checkliste: Welche Unterlagen brauchst du in deiner Situation?
  • Durchsicht von Anschreiben/Lebenslauf/Begründung
  • Feedback zur Begründung (klarer Gewissenskonflikt, schlüssiger Aufbau, keine Standardfloskeln)
  • Unterstützung beim Umgang mit Briefen/Terminen/Rückfragen (ohne Rechtsvertretung)
  • Wenn Ablehnung: strukturierter Plan für Widerspruch

Wichtig: Wir ersetzen keine anwaltliche Beratung und keine rechtliche Vertretung. Bei Fristen, Ablehnung oder Gerichtsverfahren empfehlen wir zusätzlich professionelle Rechtsberatung.

→ Beratung anfragen: Katholoisches Jugendreferat Ulm