Kriegsdienst Verweigerung in Deutschland (KDV)

Verweigere Dich!

1) Kurz erklärt: Was ist KDV?


 KDV bedeutet: Du erklärst, dass du aus Gewissensgründen keinen Kriegsdienst mit der Waffe leisten kannst. Das ist in Deutschland ein Grundrecht.

 Wichtig: Es geht dabei nicht um „einfach keine Lust“, sondern um eine persönliche Gewissensentscheidung gegen einen Dienst an der Waffe.

2) Für wen ist das relevant?


     Für dich ist KDV besonders relevant, wenn du…

  • Post bekommst zur Erfassung/Wehrerfassung,
  • zu Terminen eingeladen wirst (z. B. Musterung/Eignungsfeststellung),
  • oder allgemein klären willst: „Was mache ich, wenn ich eingezogen werden könnte?“

     Anmerkung: Auch Menschen, die bereits in der Bundeswehr tätig sind (z. B. Soldat*innen
     Reservist*innen), haben grundsätzlich ein Recht auf KDV – das hat aber oft Besonderheiten und sollte
     individuell besprochen werden.

Du hast Post bekommen von der Bundeswehr und wurdest gebeten diesen auszufüllen, wie gehts du damit um?

Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten

1. Nicht ausfüllen - ist eine Ordnungswidrigkeit und können Bußgelder nachsichziehen bei wiederholter Aufforderung drochen Zwangsgelder. Es gibt Organisationen die dazu raten z.B. die Deutsche Friedensgesellschaft und Greenpeace Jugend erkundige dich und schau dir auch diese Argumente an!

2. Ausfüllen, aber so, dass deine Antwort zu deiner Gewissensentscheidung passt und deine spätere Verweigerung nicht im Wege steht und dieser widerspricht. Welche Fragen abgefragt werden kannst du beim Bundesverteigigungsministerium einsehen. Wir raten dir diesen Schritt zu gehen, wenn du keine rechtliche Auseinandersetzung beschreiten möchtest. 

Folgende Frage solltest du wenn du den Kriegsdienst verweigern möchtest mit “0” beantwortet werden:

  • Bereitschaftserklärung (1) "Bewertung Interesse am Dienst als Soldatin oder Soldat = 0  (nun wäre der Fragebogen beendet und müsste noch abgeschickt werden)

Bitte das PDF zur Sicherung downloaden und aufbewahren!


 

3) Wie oft wird anerkannt? 

  • 2023: ca. 87 % anerkannt
  • 2024: ca. 75 % anerkannt (hier gab es zusätzlich viele formale Entscheidungen „unzulässig“)

Das heißt: Viele Anträge werden anerkannt – und ein Teil scheitert eher an Formalia oder 
daran, dass die Begründung nicht klar genug ist.
 

So stellst du einen KDV-Antrag

  Schritt 1: Das Anschreiben

Das Anschreiben braucht folgende Hinweise:

  • Erklärung der Kriegsdienstverweigerung gemäß Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz aus Gewissensgründen
  • Diese Entscheidung beruht auf einer ernsthaften, dauerhaften und persönlich verantworteten Gewissensüberzeugung.
  • Sie ist für mich verbindlich und auf Dauer angelegt.
  • Meine Entscheidung gilt unabhängig von späteren Änderungen der wehrrechtlichen Rahmenbedingungen fort.
  • Diese Erklärung erfolgt vorsorglich und unabhängig davon, ob aktuell im Einzelfall eine Einberufung bevorsteht oder eine Wehrpflicht besteht.
  • Bitte um Kurze schriftliche Bestätigung, dass die Erklärung eingegangen ist, erfasst wurde und im zuständigen Verfahren bearbeitet wird

Beispiel eines Musteranschreibens

Schritt 2: Der Lebenslauf

Der Lebenslauf ist tabellarisch abzugeben und muss lückenlos sein. Also auch bitte Chillzeiten als „Reisezeit“ oder „Erholungszeiten“ oder „Jobben“ reinschreiben.

Schritt 3: Die Begründung

Die Begründung ist der wichtigste Teil. Sie muss zeigen:

  • Es ist deine persönliche Gewissensentscheidung.
  • Du kannst es nicht mit deinem Gewissen vereinbaren, mit der Waffe zu dienen.
  • Dein Weg dahin ist nachvollziehbar (Entwicklung, Werte, Beispiele).

     Deine klare Grenze: Formuliere deutlich, was für dich nicht geht – z. B.: „Ich kann nicht verantworten, einen Menschen mit einer Waffe zu verletzen oder zu töten – auch nicht auf Befehl.“

  • Werte aus Kindheit & Erziehung: Welche Werte wurden dir vermittelt? Wie wurde in deiner Familie über Konflikte, Streit, Gewalt und „richtig/falsch“ gesprochen?
    • Wie war deine Religiöse oder ethische Erziehung
    • Wie wurden in deiner Familie, Freundeskreis etc. Konflikte angegangen und gelöst?
    • Hast du in der Familie über Kriege diskutiert z.B. 2. Weltkrieg
    • Was wurde dir beigebracht über “Recht haben”, "Unrecht tun", Gewissensentscheidungen,
    • Welche Maßstäbe für deine Entscheidungen legst du zugrunde?
  • Prägende Erlebnisse & Wendepunkte: Gab es Schlüsselmomente, Erfahrungen oder Gespräche, die deine Haltung zu Gewalt und Krieg geprägt haben (auch Familiengeschichten zu Krieg/Flucht, Medien, Begegnungen mit Betroffenen)?
    • Gibt es persönliche Erfahrungen mit Gewalt oder Konflikten
    • Welche Geschichten oder Bücher, Filme, Dokus die dich bewegt haben und dich über Krieg und Flucht geprägt haben oder waren Auslöser für…
    • Gab es konkrete Gespräche und Begegnungen mit Geflüchteten aus Kriegsgebieten etc.  
  • Religiöse / weltanschauliche Grundlage („Gewissen“ konkret): Welche Überzeugungen tragen deine Ablehnung von Gewalt? Welche Werte sind für dich nicht verhandelbar (z. B. Schutz des Lebens, Gewaltfreiheit, Menschenwürde; ggf. religiöse Gebote/Feindesliebe, Humanismus, Pazifismus, Ethik/Philosophie)?
    • Christliche Werte: "Du sollst nicht töten", Feindesliebe
    • Religiöse Überzeugungen aus Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus, humanistische Werte, persönliche Erfahrungen mit Gewalt, Auseinandersetzung mit Geschichte und Krieg.
    • Humanistische Überzeugungen: Würde des Menschen
    • Pazifistische Traditionen
    • Philosophische Auseinandersetzung mit Ethik
  • Auseinandersetzung mit Krieg & Militär: Wie hast du dich informiert (Schule, eigene Recherchen, Gespräche, Gedenkstätten) – und was hast du daraus gelernt?
    • Schulunterricht (Geschichte, Politik, Ethik)
    • Eigene Recherchen, Bücher, Podcasts, Videos und Soziale Medien
    • Gespräche mit Zeitzeugen, Veteranen und mit Menschen, die vor Krieg geflüchtet sind.
    • Gedenkstättenbesuche
  • Gewissenskonflikt (was wäre, wenn du gezwungen würdest): Was würde das innerlich mit dir machen? Warum könntest du nicht gegen dein Gewissen handeln?
    • Innerer Konflikt beschreiben
    • Seelische Belastung darstellen
    • Warum du NICHT gegen dein Gewissen handeln könntest
  • Konsequenzen im Alltag (wie es sich zeigt): Wie zeigt sich deine Haltung konkret (Konfliktlösung ohne Gewalt, Zivilcourage, Ehrenamt/Engagement, Mitgliedschaften, Verhalten in Schule/Arbeit/Alltag, Berufswunsch im sozialen/helfenden Bereich)?
    • Ehrenamtliches Engagement (Friedensarbeit, Flüchtlingshilfe)
    • Mitgliedschaft in Organisationen
    • Wie du Konflikte in deinem Umfeld löst
    • Berufswunsch im sozialen/helfenden Bereich
    • Ehrenamtliches Engagement, u.a. Jugendarbeit
  • Warum du dabei bleibst – auch unter Druck: Warum gilt deine Grenze auch dann, wenn Hierarchie, Stress oder Gruppendruck dazukommen?

    Begründung: Was nicht reicht – und was oft schiefgeht

     Diese Punkte können vorkommen, tragen aber allein selten die Gewissensentscheidung:

  • Nicht nur Politik statt Gewissen: Es reicht nicht, nur einen bestimmten Krieg oder politische Entscheidungen abzulehnen. Entscheidend ist, ob du bewaffneten Dienst grundsätzlich nicht mit deinem Gewissen vereinbaren kannst.
  • Nicht nur persönliche Nachteile: Gründe wie Angst vor Gefahr/Verletzung, „ich will nicht weg von Zuhause“ oder reine Studien-/Karriereplanung können vorkommen, tragen aber allein meist keine KDV. Wenn sie eine Rolle spielen, formuliere sie so, dass klar bleibt: Der Kern ist deine Gewissensentscheidung gegen bewaffneten Dienst.
  • Keine Vorlagen oder Copy-Paste: Übernommene Mustertexte wirken austauschbar. Besser sind eigene Worte und kurze, konkrete Beispiele aus deinem Leben.
  • Behördliche Post nicht ignorieren: Fristen, Fragebögen und Einladungen ernst nehmen. KDV bedeutet nicht automatisch, dass andere Schreiben nicht mehr beantwortet werden müssen.
  • Widersprüche vermeiden: Achte darauf, dass Lebenslauf/Angaben insgesamt stimmig sind. Wenn etwas erklärungsbedürftig ist, lieber klar einordnen, statt es unkommentiert stehen zu lassen.
  • Formalia sauber halten: Unterschrift, vollständige Anlagen, richtige Adresse und Versandnachweis sind wichtig – kleine Fehler können das Verfahren verzögern oder erschweren.
  • Nicht zu kurz oder zu vage: „Ich bin gegen Krieg“ reicht selten. Zeig Entwicklung, Gründe und Konsequenz (warum es auch unter Druck gilt).

    Wenn solche Dinge bei dir eine Rolle spielen, formuliere sie so, dass klar bleibt: Der Kern ist deine  
    Gewissensentscheidung gegen bewaffneten Dienst.


 

 

ACHTUNG
Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erkennt KI-generierte Begründungen und lehnt diese ab!
Die Begründung und Formulierung müssen zu 100% von dir kommen. Schreibe also am besten in DEINEN Worten. 

Hinweis für alle, die ChatGPT & Co. trotzdem nutzen möchten

Bei der KDV zählt nicht „schön formuliert“, sondern dass deine Begründung deine persönliche Gewissensentscheidung nachvollziehbar erklärt. Deshalb gilt: Der Inhalt muss von dir kommen – deine Geschichte, deine Gründe, deine Beispiele, deine Worte.

Wichtig: Es wird darauf hingewiesen, dass Begründungen, die erkennbar nicht persönlich sind (z. B. Copy-Paste, Mustertexte oder vollständig generierte Texte), zu Rückfragen führen oder im Ergebnis scheitern können.
Ziel ist daher: authentisch, konkret, widerspruchsfrei.

1) Warum „Copy & Paste“ riskant ist

Wenn du einfach einen fertigen KI-Text übernimmst, passieren häufig diese Probleme:

  • Der Text klingt allgemein („Krieg ist schlimm…“) und sagt wenig über dich aus.
  • Er enthält Standardfloskeln, die bei vielen gleich sind.
  • Er wirkt zu glatt oder passt nicht zu deinem Sprachstil.
  • Es entstehen Widersprüche (z. B. „nie Gewalt“, aber „im Notfall doch“).
  • Oder es rutschen Dinge rein, die nicht stimmen (erfundene Erlebnisse/Engagement).

Das kann dazu führen, dass Rückfragen kommen oder die Begründung als nicht überzeugend angesehen wird. Bei KDV zählt: persönlich, nachvollziehbar, in eigenen Worten.

2) Was du mit KI machen darfst 

KI ist am besten für:
Struktur & Aufbau (Gliederung, roter Faden)
sprachliches Aufräumen (kürzen, verständlichere Sprache, Rechtschreibung)
Fragen stellen, die dir beim Nachdenken helfen
Feedback: „Ist das logisch? Gibt es Widersprüche? Passt das zusammen?“

KI ist nicht sinnvoll für:
❌ eine “perfekte” Begründung / Geschichte zu bauen „Schreib mir eine perfekte Begründung, die jeden überzeugt“
❌ eine komplette Begründung „fertig“ zu schreiben, die du 1:1 einreichst
❌ Dinge „aufhübschen“, die du nicht erlebt oder anders erlebt hast

3) Die goldene Regel: Du lieferst den Inhalt – KI hilft nur bei der Form

Dein Antrag hat die besten Chancen, wenn klar wird:

  • Warum du keinen Dienst mit der Waffe leisten kannst
  • Wie diese Gewissensentscheidung bei dir entstanden ist
  • Warum sie auch unter Druck/Befehl gilt
  • Woran man sie in deinem Leben erkennen kann (konkrete Beispiele)

4) So nutzt du KI richtig: (ohne Copy-Paste)

Schritt 1: Schreib erst Stichpunkte – ohne KI

Beantworte ehrlich (kurz reicht):

  1. Meine klare Grenze: Was kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren?
  2. Entwicklung: Wie bin ich zu dieser Haltung gekommen?
  3. Schlüsselmomente: Was hat mich geprägt? (Erlebnisse, Gespräche, Familie, Schule, Ehrenamt …)
  4. Werte/Weltanschauung: Welche Werte prägen mich und sind nicht verhandelbar?
  5. Beispiele: Aus deinem Alltag (1-3) Wo habe ich in meinem Leben bewusst „ohne Gewalt“ gehandelt?
  6. Konsequenz: Warum gilt das auch unter Stress, Hierarchie und Gruppendruck?

Schritt 2: Lass KI daraus eine Gliederung machen

Zum Beispiel: Einleitung – Entwicklung – Werte – Beispiele – Konsequenz – Schluss.

Schritt 3: Formulieren lassen – aber nur mit deinen Punkten

Du gibst KI deine Stichpunkte und sagst:
„Formuliere daraus einen Text in einfacher Sprache, 1–1,5 Seiten, ohne Floskeln. Verwende nur die Fakten aus meinen Stichpunkten.“ Wichtig: „Bitte nur umformulieren, nichts ergänzen, nichts erfinden.“

Schritt 4: Danach kommt der wichtigste Teil: „Mach es zu deinem Text“

  • Lies es laut. Klingt das nach dir?
  • Streiche alles, was du so nie sagen oder schreiben würdest.
  • Ergänze 2–3 Sätze, die nur du so schreiben würdest.
  • Achte auf logische Linie: prüfe auf Widersprüche, Logikfehler, und klare Linien.

5) Checkliste: Woran du erkennst, dass dein Text „zu KI-mäßig“ ist

Wenn mehrere Punkte zutreffen: unbedingt überarbeiten!!!

  • Viele große Wörter, wenig konkrete Inhalte
  • Kein einziger konkreter Moment aus deinem Leben
  • Sehr allgemeine Sätze, die bei jedem passen könnten
  • „Perfekt“ klingende Moral, aber ohne Beispiele
  • Wiederholungen oder unklare Begründung
  • Aussagen, die du nicht sicher erklären könntest, wenn jemand nachfragt

6) Was du auf keinen Fall machen solltest

  • Keine erfundenen Geschichten (das fällt oft spätestens bei Rückfragen auf).
  • Keine „Internet-Vorlage“ 1:1 übernehmen.
  • Keine „zweite KDV-Erklärung“ spontan bei Terminen unterschreiben oder nachreichen, nur weil jemand es sagt.
  • Keine Unterschrift unter etwas setzen, das wie „Freiwilligkeit“ oder „Dienstbereitschaft“ klingt, ohne es zu prüfen.

7) Ein guter KI-Prompt 

Du kannst z. B. so arbeiten:

Prompt-Beispiel:
„Ich schreibe eine KDV-Begründung. Hier sind meine Stichpunkte (nur diese verwenden, nichts erfinden). Erstelle daraus eine klare Gliederung und formuliere einen verständlichen Text (ca. 4.000–6.000 Zeichen) ohne Floskeln, Übertreibungen und Widersürüche, der klar macht: (1) meine Gewissensentscheidung gegen bewaffneten Dienst, (2) wie sie entstanden ist, (3) warum sie auch unter Druck gilt."

8) Überprüfe bei Einsatz von KI deinen Text ob er als KI Text erkannt wird

Bevor du das Schreiben versendest, überprüfe ob eine KI Detector es als KI generiert erkennt. Die Quote sollte keinesfalls über 30% KI generiert erkannt werden.

Du kannst u.a. folgende KI Checkertools nutzen:

https://copyleaks.com/ai-content-detector?utm_source=chatgpt.com

https://gptzero.me/?utm_source=chatgpt.com

9) Wenn du dir unsicher bist: Beratung hilft!

Gerade wenn du:

  • Post/Termine hast,
  • Angst vor falschen Formulierungen hast,
  • oder nach einer Ablehnung reagieren musst,

kann eine kurze Beratung helfen, damit dein Antrag vollständig ist und deine Begründung wirklich trägt.


 

 

Schritt 4: Antrag an die richtige Stelle schicken


Die neuere BAFzA-Infoseite zur KDV (mit Stand/Änderungen zum 01.01.2026 durch das Wehrdienstmodernisierungsgesetz) stellt ausdrücklich klar, der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung ist einzureichen beim: 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw)   
 – Wehrersatzbehörde –
 Militärringstraße 1000, 
 50737 Köln
 
Tipp: Kopien von allem machen und möglichst so verschicken, dass du einen Nachweis hast also z.B. als Einwurfeinschreiben.

   Diese 3 Teile müssen in dem Brief enthalten sein:

  1. Anschreiben / Antrag ( unterschrieben)
  2. Tabellarischer Lebenslauf (lückenlos, unterschrieben)
  3. Deine persönliche Begründung (Herzstück des Antrags, unterschrieben)

4) Was passiert nach dem Abschicken des Antrags?

     Typisch ist folgender Ablauf:

  • Dein Antrag wird registriert und formal geprüft.
  • Häufig folgt die Musterung/Eignungsfeststellung (siehe oben).
  • Dann wird dein Antrag zur Entscheidung weitergeleitet.
  • Du bekommst einen Bescheid per Post.
  • Dauer des gesamten Anerkennungsverfahrens zwischen 2-6 Monaten.

    Wichtig: Auch wenn du schon beantragt hast: Einladungen/Termine nicht ignorieren. Wenn du nicht
    kannst, rechtzeitig reagieren und um Verlegung bitten.

5. Musterung/Eignungsfeststellung

Musterung/Eignungsfeststellung: warum das oft der nächste Schritt ist! 

In der aktuellen Praxis wird die Eignungsfeststellung („Musterung“) in vielen Fällen vorangestellt, bevor über die Anerkennung entschieden wird. Deshalb lautet unser praktischer Rat: Termin wahrnehmen und kooperativ mitmachen, damit dein Verfahren nicht unnötig stockt. 

Wichtig vorab: Keine KDV-Unterlagen zur Musterung mitnehmen

Auch wenn es naheliegend wirkt: Bring deine KDV-Begründung oder weitere KDV-Schreiben nicht zum Musterungstermin mit und gib dort keine „zweite“ schriftliche KDV-Erklärung ab.

Warum? Deine KDV-Erklärung hast du mit deinem Antrag bereits wirksam abgegeben. Die Musterung ist nicht der Ort, an dem über deine KDV inhaltlich entschieden wird – sie dient vor allem der Feststellung der Tauglichkeit.

    Typischerweise umfasst sie:

  • Medizinische Untersuchung (Einordnung der Tauglichkeit)
  • Fragen zu dir (z. B. Ausbildung, beruflicher Stand, allgemeine Angaben)

    Achtung bei Formularen & Unterschriften (hier passieren die typischen Fehler)

   Bei der Musterung oder schon vorher können dir Unterlagen vorgelegt werden, die nach „Freiwilligkeit“ oder
   „Interesse“ am Dienst klingen. Das ist nicht automatisch „böse“, aber du solltest es sauber und eindeutig
   handhaben.

   (a) Fragebogen vorab (häufig vor dem Termin)

        Darin stehen oft Fragen zu Gesundheit, Ausbildung und teilweise auch zu Dienstbereitschaft/Interessen (z. B.
        freiwilliger Wehrdienst, gewünschte Laufbahn).

        Praktische Strategie:
        Antworte ehrlich – und wenn es um Dienstbereitschaft/Laufbahn geht, mach klar:
        „Ich habe am [Datum] meine Erklärung zur Kriegsdienstverweigerung abgegeben.“

   (b) Protokoll/Unterlagen vor Ort (Checkboxen, „Bereitschaft“-Angaben)

        Vor Ort wird häufig etwas dokumentiert oder unterschrieben. Kritisch sind Passagen, die wie eine freiwillige
        Verpflichtung oder Zustimmung wirken könnten.

        Praktische Strategie:
        Vor der Unterschrift alles lesen. Wenn du unsicher bist oder eine „Freiwillig“-Aussage drinsteht, kannst du
        handschriftlich ergänzen:
        „Unterschrift erfolgt unter Vorbehalt meiner Erklärung der Kriegsdienstverweigerung vom
        [Datum].“

  (c) Tauglichkeits-/Musterungsbescheid (kommt oft später per Post)

       Nach der Musterung erhältst du in der Regel einen Bescheid. Den gut aufheben. In der Praxis ist er häufig ein
       wichtiger Baustein, damit die KDV-Prüfung weiterläuft.

   Kurzregeln für den Termin

  1. Höflich und sachlich bleiben
  2. Bei Fragen zur Dienstbereitschaft kannst du ruhig sagen:
    „Ich bin Kriegsdienstverweigerer – Erklärung vom [Datum].“
  3. Keine neuen KDV-Schreiben beim Termin abgeben
  4. Unterschriften nur nach Prüfung – ggf. Vorbehalt notieren
  5. Danach: Bescheid abwarten und Unterlagen vollständig halten

 

 

6) Der Bescheid und seine Bedeutung für Dich!

   ✅ Anerkennung
Herzliche Gratulation du hast es geschafft du bist nun anerkannter Kriegsdienstverweigerer.

   ❌ Ablehnung oder „unzulässig“
Du hast es leider noch nicht geschafft - es bedeutet nicht automatisch „Ende“ – aber du musst nun schnell und strukturiert reagieren.

    Schritt 1: Frist sichern

  • Zustelldatum notieren
  • Rechtsbehelfsbelehrung lesen: Dort steht die Frist und wohin du schreiben musst.
  • Häufig gilt 1 Monat, in besonderen Lagen kann es kürzer sein – maßgeblich ist dein Bescheid.

   Schritt 2: Widerspruch einlegen

   Du kannst grundsätzlich Widerspruch einlegen.
   Wichtig: rechtzeitig eingehen lassen, Aktenzeichen angeben, Frist retten.

   Schritt 3: Inhaltlich oder formal nachbessern

  • Bei inhaltlicher Ablehnung: Ablehnungsgründe beantworten, Missverständnisse auflösen, Begründung klarer machen.
  • Bei Unzulässigkeit: Formfehler beheben (z. B. fehlende Unterschrift/Unterlagen).

  Schritt 4: Wenn der Widerspruch abgelehnt wird

  Dann ist der nächste Schritt typischerweise die Klage beim Verwaltungsgericht – Frist steht wieder im
  Bescheid.


 

 

      Ja – sinnvoll ist das vor allem bei neuen Gründen.
      Ein neuer Antrag („Zweitantrag“) macht besonders dann Sinn, wenn sich deine Gewissensentscheidung
      nachweisbar weiterentwickelt hat oder neue Tatsachen/Belege dazukommen.

      Wichtig: Ein neuer Antrag ersetzt nicht automatisch Widerspruch/Klage. Fristen aus dem Bescheid sind
      entscheidend.


 

 

Persönliche Beratung

Du kannst das Verfahren selbst machen – oder dir Unterstützung holen. Wir helfen dir dabei, dass alles vollständig, verständlich und in deinen eigenen Worten ist:

  • Checkliste: Welche Unterlagen brauchst du in deiner Situation?
  • Durchsicht von Anschreiben/Lebenslauf/Begründung
  • Feedback zur Begründung (klarer Gewissenskonflikt, schlüssiger Aufbau, keine Standardfloskeln)
  • Unterstützung beim Umgang mit Briefen/Terminen/Rückfragen (ohne Rechtsvertretung)
  • Wenn Ablehnung: strukturierter Plan für Widerspruch

Wichtig: Wir ersetzen keine anwaltliche Beratung und keine rechtliche Vertretung. Bei Fristen, Ablehnung oder Gerichtsverfahren empfehlen wir zusätzlich professionelle Rechtsberatung.

→ Beratung anfragen: Katholoisches Jugendreferat Ulm